Im Auftrag des österreichischen Parlaments

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka präsentiert neue Initiative gegen Antisemitismus

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Am 11. September 2019 präsentierte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka gemeinsam mit dem Bildungsexperten Daniel Landau die neue Initiative „Demokratie in Bewegung – Bildung gegen Vorurteile“ im Parlament, die für die Themen Antisemitismus und Rassismus sensibilisieren soll.

„Wir haben die historische Verantwortung, entschieden gegen jede Form von Antisemitismus oder Rassismus aufzutreten“, sagte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka bei der Präsentation der neuen Initiative. „Unbestritten ist, dass es an den Rändern unserer Gesellschaft extreme Pole gibt. Ohne Unterschied, ob sie links, rechts oder religiös motiviert sind, muss es unsere Verantwortung sein, ihnen entgegenzuwirken und gleichzeitig den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken und zu gestalten. Das gelingt uns vor allem durch das Schaffen von Bewusstsein für unterschiedliche Meinungen.“ Bildung und Fortbildung seien hierbei wesentliche Schlüsselfaktoren. „Durch die heute vorgestellte Initiative leistet das Parlament einen weiteren wichtigen Beitrag für die Demokratie in unserem Land“, betont Sobotka.

Sobotka: Antisemitismus hat sich gewandelt

Der Workshop richtet sich an SchülerInnen der 9. Schulstufe sowie an Lehrlinge und findet an Österreichs Schulen statt. Das pädagogische Konzept sieht vor, dass die SchülerInnen ihre eigenen Annahmen hinterfragen. Sie sollen nicht mit „moralischen Lektionen“ belehrt werden, sondern das Thema selbstständig erkunden und reflektieren. „Der Antisemitismus hat sich in den letzten Jahrzehnten in unserem Land gewandelt“, erläuterte Nationalratspräsident Sobotka. „Wir müssen diese Veränderungen klar ansprechen und Strategien entwickeln, um diese negativen Entwicklungen einzudämmen. Gesellschaften, aber auch ihre überlieferten rassistischen Narrative verändern sich. Diese Tendenzen müssen wir beim Namen nennen“, forderte Sobotka.

„Im Workshop bemühen wir uns, die Themen Hass und Ablehnung, den Antisemitismus, mit der Beschaffenheit von jenen modernen, westlichen Gesellschaften zu verknüpfen, in denen sich der Holocaust erst in seinem Ausmaß entfalten konnte“, erklärte Daniel Landau, der das didaktische Konzept zu „Bildung gegen Vorurteile“ entwickelte. „Die zentrale Frage nach der Verantwortung betrifft uns in Österreich alle, und zwar grundlegend, jenseits von Gruppen- oder Religionszugehörigkeiten. Es geht uns gemeinsam um ein ‚Nie wieder!'“, unterstrich Landau.

Start Ende September

Ende September finden die ersten Workshops des neuen Moduls an den Schulen statt. Das Angebot wird in Kooperation mit dem Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum umgesetzt. Damit wird das bestehende Angebot zur mobilen Demokratiebildung des Parlaments ergänzt. Bereits seit Anfang 2017 gibt es das Modul „Demokratie in Bewegung – Das Parlament kommt zu dir“. In den etwa 400 kostenlosen Workshops pro Jahr lernen die SchülerInnen und Lehrlinge über Parlamentarismus und Demokratie. Der Bedarf für die Entwicklung dieses Workshops ergab sich aus der Antisemitismusstudie 2018. Sie zeigte auf, dass zehn Prozent der Befragten manifest antisemitische Ansichten teilen. Bei 30 Prozent konnte latenter Antisemitismus festgestellt werden. Um dem entgegenzuwirken, etablierte das Parlament eine informelle Plattform für Organisationen, die im Bereich Antisemitismus und Rassismus Aufklärungsarbeit leisten. Mitglieder sind etwa das Mauthausen Komitee, Mauthausen Memorial, die Plattform erinnern.at, der Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus, das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, der Österreichische Integrationsfonds, der Verein ZARA sowie CENTROPA. Auf diese Institutionen und ihre Angebote wird im Rahmen von „Bildung gegen Vorurteile“ verwiesen.